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WM Lausanne - Elite und U23 Männer

03.09.2006 von Raphael Hadorn

Die Männer verpassen trotz einer guten Teamarbeit den angestrebten Exploit. Bester Schweizer wird Sven Riederer (12.)

Die Schweizer starteten denkbar schlecht in das Rennen. Nach 750m Schwimmen lag kein Eidgenosse in den Top50. Reto Hug nannte nach dem Rennen einen der möglichen Gründe. „Es war brutal, bei der Boje stand ich still, wurde nur noch nach unten gedrückt, bekam Panik weil ich Angst hatte zu ertrinken.“ So mussten die Schweizer zu Beginn der Radstrecke viel Arbeit verrichten, bis der Anschluss an die Spitze wieder hergestellt war. Das Rennen wurde dann eigentlich erst richtig auf der fünften Radrunde lanciert. Wie zuvor an der Teamsitzung besprochen, lancierten die Schweizer in der Person von Olivier Marceau kurz nach Halbzeit der Radstrecke einen vorentscheidenden Angriff. Marceaus Tempoverschärfung konnten vorerst lediglich sieben Fahrer folgen, darunter mit Sven Riederer auch noch ein zweiter Schweizer. Mit den Deutschen Daniel Unger und Maik Petzold, den Neuseeländern Hamish Carter und Kris Gemill und den Franzosen Fred Belaubre und Stephane Poulet bildeten sind noch drei weitere Päärchen, dazu gesellte sich der Brite Stuart Hays, der eine Runde später ebenalls Gesellschaft bekam. Sein Teamkollege Tim Don hatte alleine den Anschluss geschafft. Den Postabgang verpasst hatte dagegen Reto Hug. „Ich hatte schlicht die Kraft nicht, und als die Lücke einmal da war, war es an den Australiern und Spaniern aufs Tempo zu drücken, nicht ans uns Schweizern.“ Die Spitzengruppe harmonierte derweil gut und holte bis zum Beginn der Laufstrecke einen Vorsprung von 1.14 Minuten auf die nächste Verfolgergruppe, welcher neben Reto Hug auch noch Didier Brocard angehörte heraus. Mike Aigroz (musste das Rennen auf der Radstrecke aufgeben) und Sébastien Gacond (Kettenriss) waren schon früh aus der Entscheidung gefallen, versuchten aber bis zu diesem Zeitpunkt ebenfalls für die Teamleader Hug, Riederer und Marceau zu arbeiten. Kaum wurde die Laufstrecke in Angriff genommen, zog sich die Spitzengruppe in die Länge. Vorerst versuchte Riederer mit Don und Carter mitzugehen, doch bald einmal musste er die beiden ziehen lassen und wurde in der Folge auch noch von Belaubre überholt. In der dritten Runde verliessen Riederer dann die Kräfte vollends. Schliesslich passierte er völlig entkräftet als Zwölfter die Ziellinie und rettete sich damit noch zwei Sekunden vor Olivier Marceau ins Ziel, der viel für Riederer arbeitete und selbst dennoch ein sehr gutes Resultat erzielte. "Ein besonderer Dank gilt Oli", war denn auch etwas vom Ersten was Riederer im Ziel den zahlreichen Medienleuten erzählte und weiter: „Ich bin sehr traurig, dies ist eine riesige Enttäuschung, für mich, für die Fans, für alle.  Vielleicht war der Druck zu gross, ich habe einfach heute mein Potential nicht ausschöpfen können, es war nicht so, dass die Gegner nicht schlagbar gewesen wären.“ Auch Nationalcoach Iwan Schuwey war enttäuscht, konnte aber keinem seiner Athleten einen Vorwurf machen: „Jeder hat sein bestes gegeben.“ So sah es auch Reto Hug, der die Kraft nicht hatte beim Angriff von Teamkollege Marceau mitzugehen. „Ich kann heute Abend gut in den Spiegel schauen und abschliessend: Diese Stimmung, die Atmosphäre, die Strecke, die Organisation, trotz Rang 26, es hat einfach Spass gemacht.“

Fast hätte das abschliessende U23-Rennen der Männer noch für ein abschliessendes Highlight gesorgt, doch nach dem Zieleinlauf des besten Schweizers war keinem zum Feiern zumute. Charles Rusterholz zeigte ein starkes Rennen und lag bis kurz vor dem Ziel an sechster Stelle, ehe es zu einem kleinen Drama kam. Rusterholz war völlig "überhitzt", seine Beine wollten nicht mehr, so dass er rund 50m vor dem Ziel ein erstes Mal stürze, sich wieder aufrappelte, weitertaumelte und wieder stürzte. Drei Athleten musse er vorbeiziehen lassen, ehe er sich ins Ziel gekämpft hatte. Während Rusterholz im Aerztezelt gepflegt wurde, schilderte Marc Widmer Eindrücke vom Rennen, welche erahnen lasen, wieso es dazu kam. "Die Radstrecke war brutal hart, es wurde dauernd attackiert, an jeder Steigung, ja selbst im Flachen, ich glaubte selber nicht mehr daran, dass ich es ins Ziel schaffe." Doch Widmer schaffte es ins Ziel und der 25. Schlussrang ist doch sehr zufriedenstellend. Der dritte Schweizer, Marc-Iwan de Kaenel verlor bereits früh den Kontakt zur Spitze und wurde mit fast zwölf Minuten Rückstand 50. Der Sieg ging wie bei allen Männerrennen an die Briten. Nach Alistair Brownlee bei den Junioren, Tim Don bei den Männern siegte in der Kategorie U23 William Clarke. Die Australier holten mit Nathan Campbell (Silber) und Dan Wilson (Bronze) die Medaillen Nummer 5 und 6 am heutigen WM-Tag. (Raphael Hadorn)

WM Lausanne
Elite Männer (1,5km Schwimmen - 40km Radfahren - 10km Laufen)

1. Tim Don (GBR) 1:51.32
2. Hamish Carter (NZL) 0.17 zurück
3. Frederic Belaubre (FRA) 0.40
4. Kris Gemmell (NZL) 1.29
5. Volodymyr Polikarpenko (UKR) 1.32
6. Peter Robertson (AUS) 1.34
7. Hunter Kemper (USA) 1.35
8. Daniel Unger (GER) 1.39
9. Andrew Johns (GBR) 1.48
10. Javier Gomez (ESP) 1.55
12. Sven Riederer (SUI) 2.04
14. Olivier Marceau (SUI) 2.06
26. Reto Hug (SUI) 3.17
56. Sébastien Gacond (SUI) 8.31
57. Didier Brocard (SUI) 9.03
Aufgegeben: u.a. Mike Aigroz (SUI, kurz nach Beginn der Radstrecke)

U23 Männer (1,5km Schwimmen - 40km Radfahren - 10km Laufen)
1. William Clarke (GBR) 1:57.31
2. Nathan Campbell (AUS) 0.38 zurück
3. Dan Wilson (AUS) 0.54
4. Ivan Vasiliev (RUS) 1.29
5. Premysl Svarc (CZE) 1.38
6. Manuel Huerta (USA) 1.48
7. Matthew Seymour (USA) 2.13
8. Oliver Freeman (GBR) 2.27
9. Charles Rusterholz (SUI) 2.35
10. Jan Janour (CZE) 2.45
25. Marc Widmer (SUI) 4.15
50. Marc-Ywan de Kaenel (SUI) 11.59

59 klassiert

Bilder zum heutigen WM-Tag sind in Kürze hier abrufbar.