Olympische Spiele 2000 Sydney - Triathlon Männer

17.09.2001 von Reinhard Standke

Nach Gold und Silber noch ein olympisches Diplom für Reto Hug. Simon Whitfield ist Olympia-Sieger.

Simon Whitfield

Reto Hug, Markus Keller und Jean-Christoph Guinchard rundeten mit den Rängen 8, 18, und 24 die hervorragende Bilanz der Schweizer Triathleten bei Olympia ab. Die Medaillen gingen überraschend an Simon Whitfield (Ca), Stephan Vuckovic (D) und Jan Rehula (Tch).

Von Jörg Greb, Sydney

Es gab erneut Grund zur Zufriedenheit im Schweizer Lager. Nach den beiden Medaillen von Brigitte McMahon und Magali Messmer gewann Reto Hug ein Olympisches Diplom. Damit schnitt die Schweiz bezüglich Medaillen und Diplomränge weltweit am besten ab: Keine andere Nation gewann zwei Medaillen, und nur Australien und Frankreich brachten ebenfalls drei Vertreter in die Medaillen- und Diplomränge, allerdings beide mit deutlich schlechteren Rangpunkten. So freute sich Leistungssportchef René Kissling: ‚Wir schnitten optimal ab.‘. Es zeigte sich, dass die Vorbereitung auf just den Zeitpunkt exzellent geklappt hat und dass die Massnahmen über mehrere Jahre als Summe griffen.

Hugs Befreiung

Reto Hug, der beste Schweizer, freute sich, nachdem er bis nach dem Radabschnitt davon überzeugt gewesen war, es sei überhaupt nicht sein Tag. Beim Schwimmen hatte er sich schlecht gefühlt, ebenso auf dem Rad. Lediglich als 26. hatte er den Lauf in Angriff genommen. Der Rückstand auf den führenden Olivier Marceau betrug bereits 55 Sekunden. Doch mit der siebtbesten Laufzeit brachte er sich auf den guten achten Schlussrang, umittelbar hinter Marceau und vor Simon Lessing.

‚Es war eigenartig‘, kommentierte der 25-Jährige hinterher. So lange er etwas gewollt hätte, sei es nicht gelaufen. Erst als er sich gesagt habe, es sei eben nicht sein Tag, löste sich der Knopf und ‚plötzlich lief es‘. Hug machte Position um Positon gut. ‚Ich habe mir wohl zu viel Druck auferlegt‘, schloss Reto Hug. Das habe sich schon in der Nacht zuvor gezeigt, als er trotz Oropax in den Ohren nicht habe Schlafen können. Mit dem Resultat zeigte er sich ‚rundum glücklich‘. Erst im Ziel war er sich bewusst, dass es zu einem Olympischen Diplom gereicht hatte.

Weniger zufrieden mit seinem 18. Platz war Markus Keller. ‚Richtig unglücklich darf ich nicht sein‘, schloss der 33-Jährige. Nach zwei Top-ten-Klassierungen an Weltmeisterschaften hätte er sich mehr erhofft zu seinem Karriereabschluss. Dass es aber nicht zum ganz grossen Exploit reichen würde, ahnte er bereits zuvor: ‚Das ganze Jahr über stimmte die Form nicht optimal.‘Schon im Schwimmen(35.) habe er zu viel verloren. Da war er auf dem Radabschnitt gezwungen zu arbeiten und die Lücke zu den Besten zu schliessen. Danach fehlte die Kraft für eine herausragende Laufleistung.

Spannung bis am Schluss

In den vordesten Positionen waren die Schweizer nie anzutreffen. Da entwickelte sich ein ein Rennen voller Spannung mit schier dramatischem Rennverlauf. Erwartungsgemäss verlaufen ist das Schwimmen mit Craig Walton als dominierende Figur. Auf dem anspruchsvollen Radparcours kam es rasch zum Zusammenschluss. Zuerst gehörten der Spitzengruppe 28 Athleten an. Auch dank der Initiative von Markus Keller und Jean-Christoph Guinchard gelang es aber dem zweiten Feld, in der vierten Runde aufzuschliessen. Doch als eine Runde später der Weltmeister Olivier Marceau und Conrad Stoltz attackierten, folgte das Feld nicht. Die beiden konnten sich innert kürzester Zeitspanne einen Vorsprung von einer Minute herausfahren. Allerdings reichte dies nicht aus. Zuerst Stoltz und später Marceau wurden eingeholt und hatten keine Chance mehr auf den Gewinn einer Medaille.

Stattdessen lief der deutsche Stephan Vudkovic an die Spitze. Lange sah er als der kommende Olympiasieger aus. Doch auf dem letzten Kilometer setzte der für seine läuferischen Qualitäten bekannte Simon Whitfield zu einem fulminanten Endspurt an, der ihn zu seinem grössten Triumph führte. Das Palmares des 25-Jährigen umfasste bisher: zwei zweite Plätze am Weltcup in Rio de Janeiro und Corner Book in diesem Jahr, einen sieben (1999) und einen neunten (1997) WM-Platz und im australischen Grand Prix dieses Jahres die Auszeichnung ‚Rookie of the Year‘. Vuckovic lief 13 Sekunden später alsjubelnder Silbermedaillengewinner ein.

Resultate

1. Simon Whitfield (CAN) 1:48:24  (17:57/0:22/58:55/0:18/30:54)
2. Stephan Vuckovic (GER) 1:48:37 (18:15/0:22/58:34/0:18/31:10)
3. Jan Rehula (CZE) 1:48:46 (17:46/0:27/58:54/0:20/31:22)
4. Dimitry Gaag (KAZ) 1:49:03
5. Ivan Rana (ESP) 1:49:10
6. Miles Stewart (AUS) 1:49:14
7. Olivier Marceau (FRA) 1:49:18
8. Reto Hug (SUI) 1:49:21
9. Simon Lessing (GBR) 1:49:24
10. Tim Don (GBR) 1:49:28
11. Andrey Gluschenko (UKR) 1:49:30
12. Andreas Raelert (GER) 1:49:31
13. Martin Krnavek (CZE) 1:49:38
14. Leandro Macedo (BRA) 1:49:50
15. Volodymyr Polikarpenko (UKR) 1:49:51
16. Craig Watson (NZL) 1:50:01
17. Hunter Kemper (USA) 1:50:05
18. Markus Keller (SUI) 1:50:15
19. Carl Blasco (FRA) 1:50:18
20. Conrad Stoltz (RSA) 1:50:24
21. Takumi Obara (JPN) 1:50:29
22. Juraci Moreira (BRA) 1:50:44
23. Eneko Llanos (ESP) 1:50:48
24. Jean-Christophe Guinchard 1:50:50
25. Ryan Bolton (USA) 1:50:52
26. Hamish Carter (NZL) 1:50:57
27. Craig Walton (AUS) 1:50:57
28. Oscar Galindez (ARG) 1:50:59
29. Johannes Enzenhofer (AUT) 1:51:02
30. Csaba Kuttor (HUN) 1:51:05
31. Stephan Bignet (FRA) 1:51:12
32. Alessandro Bottoni (ITA) 1:51:18
33. Vassilas Krommidas (GRE) 1:51:28
34. Peter Robertson (AUS) 1:51:39
35. Joachim Willen (SWE) 1:51:40
36. Hideo Fukui (JPN) 1:52:04
37. Gilberto Gonzalez (VEN) 1:52:13
38. Ben Bright (NZL) 1:52:17
39. Armando Barcellos (BRA) 1:53:42
40. Nick Radkewich (USA) 1:53:44
41. Matias Brain (CHI) 1:53:44
42. Eric van der Linden (NED) 1:54:32
43. Rob Barel (NED) 1:55:36
44. Jan Hansen (DEN) 1:55:42
45. Roland Melis (AHO) 1:56:11
46. Hiroyuki Nishiuchi (JPN) 1:56:59
47. Mikhail Kuznetsov (KAZ) 1:59:13
48. Dennis Looze (NED) 2:00:23
DNFs: Andrew Johns (GBR), Jose Merchan (ESP), Filip Ospaly (CZE), Mark
Marabini (ZIM).

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