Daniela Ryf gewinnt das WM-Rennen in Seoul

08.05.2010 von Susanne Pieren

Daniela Ryf siegt zum ersten Mal an einem Rennen der WM-Serie, Nicola Spirig holt sich den vierten Platz, Reto Hug wird Neunter.

Daniela Ryf und Nicola Spirig in der Spitzengruppe
photo by Delly Carr /triathlon.org

Die Schweizer Sportlerinnen brillierten im zweiten Rennen der WM-Serie in Südkorea. Mit einer überzeugenden Gesamtleistung holte sich die U23-Weltmeisterin von 2008, Daniela Ryf in Seoul ihren ersten Sieg in einem WM-Serie bzw. Weltcuprennen. Europameisterin Nicola Spirig kämpfte sich mit einer imponierenden Aufholjagt auf den vierten Platz.

Gestartet waren die Schweizerinnen unterschiedlich ins Rennen. Während sich Ryf bereits beim Schwimmen im 15° kalten Han River im vorderen Feld fest setzte, schwamm Spirig nur im hinteren Mittelfeld mit. Eine Dreiergruppe, bestehend aus der Amerikanerin Hayley Peirsol, Kerry Lang (GBR) und Sarah Haskins (USA), hatte zunächst über die Kräfteverhältnisse im Wasser keine Zweifel aufkommen lassen, und sich von der Verfolgergruppe abgesetzt.

Nicola Spirig, die soeben ihr Jura-Studium abgeschlossen hat, wähnte sich nicht in der gleichen Form wie vor einem Jahr. Durch die Belastung des Studienabschlusses hatte die frischgebackene Juristin nur wenig Zeit, sich während des Winters auf die anstehende WM vor zu bereiten. So war auch Seoul ihr erstes Rennen in der Saison, in Sydney war sie nicht an den Start gegangen.

Auf der Bikestrecke war Daniela Ryf bereits wieder im führenden Feld anzutreffen - Spirig war weiter zurück gefallen. In der Strecke quer durch die südkoreanische Millionenmetropole führte Spirig mit beeindruckender Energie ihre Verfolgungstruppe an und holte mit unglaublichem Effort konstant auf. Hatte sie nach dem Schwimmen noch einen Platz im hinteren Mittelfeld belegt, begann sie die Laufstrecke bereits auf Platz 5. Als erstes hatte sich Emma Moffatt (AUS) auf die Laufstrecke gemacht und sofort ein hohes Tempo vorgegeben. Ihren Vorsprung von ungefähr zehn Sekunden hatte die Australierin bis zur letzten Runde halten können, bis sie schliesslich von den aufgeschlossenen Verfolgertruppe, darunter die Gewinnerin des Rennens in Sydney, Barbara Riveros Diaz (CHI) und den beiden Schweizerinnen, eingeholt wurde. "Nach drei Runden begann ich zu leiden, das Tempo wurde von Riveros verschärft, da wir näher an Moffatt herankamen", berichtete Ryf. 1,5km vor dem Ziel verlor ich den Anschluss, Moffatt, Riveros, Hewitt und Snowsill waren an der Spitze, 10 m dahinter rannten Spirig und Adachi! Ich litt, war ca. 2 m dahinter und dachte ich habe den Anschluss verpasst. Ich schloss meine Augen und stellte mir vor, ich laufe den letzten Kilometer auf der Bahn wie letzte Woche in 3.07 Minuten. Plötzlich war ich wieder an Spirig dran! Als es noch 800 m ging begann ich zu sprinten und war plötzlich hinter Moffatt, 400 vor dem Ziel zog ich nochmals voll an und war alleine". Mit ihren grandiosen Schlussspurt sicherte sich Ryf den Sieg vor Riveros und Moffatt. Nicola Spirig überquerte nach ihrer beeindruckenden Aufholjagt auf dem Bike als Vierte die Ziellinie. Nach Rang neun in Sydney und dem Sieg in Soul liegt Ryf im Zwischenstand der WM-Serie auf Rang vier, auf dem sie auch die Wertung im Vorjahr abgeschlossen hatte.

Bei den Männern bildete sich beim Radfahren eine 56 Athleten umfassende Spitzengruppe, die auch alle vier Schweizer Athleten umfasste. Olympiasieger Jan Frodeno und Courtney Atkinson vermöchten im Laufen das höchste Termpo anzuschlagen. Im Endspurt bezwang der Deutsche Frodeno den Australier, Dritter wurde Brad Kahlefeldt (Au). Ausgezeichnet schlug sich in seinem Comeback-Jahr der dreifache Olympiateilnehmer Reto Hug. Nach Rang 17 in Sydney erzielte er in Seoul mit Rang 9 einen Top 10 Rang in der WM-Serie. Sven Riederer lief zwischenzeitlich sogar an dritter Position, verlor dann aber Rang um Rang und wurde in seinem ersten WM-Serie Rennen der Saison 25. Ruedi Wild kam als drittbester Schweizer auf Rang 35, Lukas Salvisberg litt während dem Radfahren bereits unter Beinkrämpfen und gab in der ersten Laufrunde wegen Bauchkrämpfen den Wettkampf auf.

Nationalcoach Iwan Schuwey lobte nach dem Sieg von Daniela Ryd vor allem deren Renngestaltung im Laufen. "Sie hat im richtigen Moment die richtigen Sachen gemacht", bestätigte Schuwey die in der Wettkampfvorbereitung besprochenen Rennvarianten. "Die Form von Nicola Spirig ist noch nicht ganz da, allerdings leistete sie zu 95 % die Führungsabeit während der 30 km dauernden Aufholjagd ihrer Gruppe", so Schuwey. Die WM-Serie wird fortgesetzt mit der 3. Etappe, die am 5. und 6. Juni in Madrid ausgetragen wird. (Susanne Pieren/Reinhard Standke)

Resultate | Bericht Sport aktuell (SF)

Soul (SKor). WM-Serie (2/7).
1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen.
Männer:
1. Jan Frodeno (De) 1:51:49.
2. Courtney Atkinson (Au) 0:01 Minuten zurück.
3. Brad Kahlefeldt (Au) 0:29.
4. Steffen Justus (De) 0:33.
5. Alexander Brukhankov (Russ) 0:40.
6. Dmitry Polyansky (Russ) 0:45.
9. Reto Hug (Sz) 0:55.
25. Sven Riederer (Sz) 2:11.
35. Ruedi Wild (Sz) 3:02.
aufgegeben: Lukas Salvisberg (SZ, Laufen/Bauchkrämpfe)

Stand in der WM-Serie (2/7):
1. Brankhankov 1326 Punkte.
2. Bevan Docherty (Neus) 1301.
3. Polyansky 1175.
4. Kahlefeldt 1052.
5. Frodeno 871.
8. Hug 659.
41. Riederer 123.
55. Wild 56.
58. Salvisberg 52.

Frauen:
1. Daniela Ryf (Sz) 2:00:59.
2. Barbara Riveros Diaz (Chi) 0:03 Minuten zurück.
3. Emma Moffatt (Au) 0:05.
4. Nicola Spirig (Sz) 0:06.
5. Andrea Hewitt (Neus) 0:07.
6. Emma Snowsill (Au) 0:11.

Stand in der WM-Serie (2/7):
1. Riveros Diaz 1540 Punkte.
2. Moffatt 1370.
3. Hewitt 1326.
4. Ryf 1229.
10. Spirig 633.

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