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Schweiz ist wieder Team-Weltmeister

22.08.2010 von Sandra Christen

Daniela Ryf, Ruedi Wild, Nicola Spirig und Sven Riederer verteidigten in Lausanne die Goldmedaille an der Team-Weltmeisterschaft.

Die Teamweltmeister. Photo by Kirsten Stenzel Maurer
Sven Riederer. Photo by Reinhard Standke

Nach der ersten Team-Weltmeisterschaft 2009 in Des Moines (USA) gewann die Schweiz mit Daniela Ryf, Ruedi Wild, Nicola Spirig und Sven Riederer auch die zweite Auflage in Lausanne. Silber ging an Frankreich, Bronze an Neuseeland. Das zweite Schweizer Team mit Melanie Annaheim, Marc-Iwan de Kaenel, Magali di Marco Messmer und Sébastien Gacond wird hinter Deutschland Fünfter.

Vor einem Jahr gelang den Schweizern in Des Moines ein Überraschungscoup. Heute sah die Lage für die Schweizer anders aus: „Auf dem Papier waren wir dieses Jahr zusammen mit den Franzosen eindeutig die Favoriten“, erklärte Nationalcoach Iwan Schuwey die Ausgangslage. Hinzu kam, dass das heimische Publikum einen Sieg von den Schweizern erwartete und den Druck zusätzlich erhöhte. Ryf, Wild, Spirig und Riederer zeigten jedoch souverän, wie sie damit umgehen können: Sie mischten von Beginn an in der Spitze mit. Ryf kam als Startathletin bereits als Erste in die Übergabezone. „Unsere Taktik ging auf. Wir wollten das Feld bereits von Beginn an auseinanderreissen, deshalb schickten wir mit Daniela Ryf eine schnelle Athletin ins Rennen, die mit ihrer gestrigen Sprint-Bronze über genügend Selbstvertrauen verfügte“, erläuterte Schuwey die Taktik der Schweizer. Nach Ryf ging Ruedi Wild ins Rennen. Er musste im direkten Duell gegen den Franzosen Frédéric Bélaubre zwar die Führung preisgeben und übergab als zweiter an Spirig. Doch diese konnte Wilds Rückstand nicht nur wieder wettmachen, sondern auch noch in einen Vorsprung von 15 Sekunden umwandeln. „Vor allem im Laufen war ich voll am Limit“, gestand die Doppeleuropameisterin und schmunzelte: „Ich starb tausende von Toden beim Rennen“. Riederer verwaltete seinen Vorsprung anschliessend gekonnt und baute ihn bis ins Ziel bis 40 Sekunden aus. „Es war unglaublich für mich, vor dieser wunderschönen Kulisse von Schweizer Zuschauern als letzter des Teams als Sieger über die Ziellinie zu laufen“, strahlte Riederer. Erst auf der Laufstrecke habe er jedoch an den Sieg zu glauben begonnen. „Bereits mit einem Vorsprung zu starten, kann auch sehr gefährlich sein. Die Abstände waren klein. Wenn sich hinter mir ein Team gebildet hätte, hätten sie mich noch aufholen können“. Er sei deshalb auf dem Rad voll Gas gefahren. Als er beim zweiten Wechsel von einem Betreuer hörte, dass er immer noch einen Abstand von über 40 Sekunden hatte, begann er sich zu freuen.

Die Schweizer Athleten waren sich einig: Es war hart, aber wunderschön. „Das Rennen ist für jeden einzelnen Athleten sehr kurz, dafür aber umso harter“, beschrieb Spirig. Genau diese Schnelligkeit machte das Rennen für die Zuschauer umso attraktiver. „Die Athleten kämpfen um jede Sekunde, dies macht das Team-Rennen so spannend für das Publikum“, freute sich Ryf über die tatkräftige Unterstützung vom Strassenrand. Im Zentrum des Rennens stand für alle der Teamspirit. „Wenn es in unserem Team nicht einen derart starken Zusammenhalt gegeben hätte, hätte ich diese Leistung womöglich nicht abrufen können“, sinnierte Riederer vor der Siegerehrung. Auch für Wild war die Zusammensetzung des Teams sehr wichtig: „Ich kenne die drei anderen schon sehr lange, wir sind alle sehr erfahren. Keiner von uns zögert auch nur eine Sekunde, um dem anderen vertrauen zu können“. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl habe sich während den letzten Jahren kontinuierlich aufgebaut. Auch Schuwey lobt die Erfahrenheit seiner Athleten: „Wir haben uns vorher nicht verschiedene Szenarien ausgedacht. Diese vier sind alle genug erfahren, um zu wissen, wann sie wie angreifen oder warten müssen“.

Für Daniela Ryf bedeutete der Sieg heute die zweite Medaille innert zwei Tagen, nachdem sie Gestern bereits Bronze in der Sprint-WM in Empfang nehmen durfte. Doch die Rennen waren für die Schweizerin ganz unterschiedlich: „Die Medaille Gestern kam sehr überraschend und unerwartet, heute erwartete man von uns eine Medaille. Für mich sind beide wunderschön. Die goldene von heute macht sie noch umso schöner, weil ich sie in einem Team gewinnen konnte und nicht für mich alleine kämpfen musste“. Bei den Konkurrente fehlten heute allerdings die britischen Doppesieger der gestrigen Sprint WM, Jonathan Brownlee, der am kommenden Samstag die U23 WM in Portugal bestreitet, und Tim Don Sowie die zweite der Frauen, Weltmeisterin Emma Moffatt (Au) und Landsmann Brad Kahlefeldt (4.)

Den Stellenwert dieser Team Triathlon Weltmeisterschaft stuft der Nationalcoach als sehr hoch ein: „In Bezug auf die Zukunft ist dieser Wettkampf sehr wichtig. Ich bin überzeugt, dass der Team-Anlass nach London 2012 ins olympische Programm aufgenommen wird“. Die ITU Team Triathlon WM soll auch in den beiden nächsten Jahren in Lausanne ausgetragen werden, wie der Direktor des Organisationskomitees von Lausanne Claude Thomas an der Medienkonferenz von letztem Donnerstag ankündigte. Diese Absicht bestätigte der ITU-Vertreter Quesada. Auch von Seiten von Swiss Olympic sei die Unterstützung für drei Jahre zugesichert worden, erklärte Thomas weiter. Dennoch ist die Finanzierung der nächsten beiden Anlässe noch nicht gesichert.

Lausanne (Sz). Triathlon de Lausanne. ITU Team Triathlon World Championship.
265 Meter Schwimmen, 6 km Rad, 1.2 km Laufen.

1. Schweiz 1 (Daniela Ryf, Ruedi Wild, Nicola Spirig, Sven Riederer) 1:13:31.
2. Frankreich (Jessica Harrison, Frédéric Bélaubre, Carole Peon, David Hauss) 0:40 Minuten zurück.
3. Neuseeland (Kate Mcllroy, Tony Dodds, Nicky Samuels, Ryan Sissons) 0:49.
4. Deutschland (Anja Knapp, Franz Loschke, Anne Haug, Gregor Bucholz) 2:33.
5. Schweiz 2 (Melanie Annaheim, Marc-Yvan de Kaenel, Magali di Marco Messmer, Sébastien Gacond) 2:55.