Ironman Hawaii 2006

22.10.2006 von Reinhard Standke

Nur ein enttäuschender 10. Rang für Kronfavoritin Natascha Badmann, im Männerfeld wird Ronnie Schildknecht guter 15.

Als erster Deutscher konnte der 33-jährige Normann Stadler am frühen Sonntagmorgen (MESZ) den Ironman auf Hawaii zum zweiten Mal gewinnen. In einem bis zum Schluss spannenden Marathonfinale verwies der Weltmeister des Jahres 2004 den Australier Chris McCormack auf Platz zwei, Dritter wurde Vorjahressieger Faris Al-Sultan (GER). Das Rennen der Frauen gewann erstmals die Australierin Michellie Jones, die im Vorjahr hinter Natascha Badmann noch Zweite geworden war.

Sowohl Stadler wie auch die Zweite der Olympischen Spiele in Sydney über die olympische Distanz legten den Grundstein zu ihrem Sieg auf der Radstrecke und konnten danach ihren Vorsprung auf der Laufstrecke verteidigen. "Dieser Sieg ist noch süßer als süß, ich hatte heute einen fantastischen Tag", jubelte Stadler im Ziel. Sämtliche Bemühungen der Verfolger, den Abstand zum derzeit weltbesten Radfahrer im Ironman-Triathlon auf der 180 Kilometer langen Prüfung in engen Grenzen zu halten, scheiterten: Wie schon bei seinem Sieg zwei Jahre zuvor brachte Stadler mehr als zehn Minuten Vorsprung mit in die zweite Wechselzone. Ein solches Zeitpolster, so hatte er in einem Interview wenige Tage vor dem Rennen erklärt, reiche ihm zum Sieg. Doch auf den letzten Kilometern der Marathonstrecke musste er noch um seinen zweiten Hawaii-Erfolg zittern, denn der Sechste des Vorjahres, Chris McCormack, machte mit jedem Kilometer kostbare Zeit gut. "Als es nur noch zwei Kilometer bis zum Ziel waren und ich noch einen Vorsprung von 90 Sekunden hatte, da wusste ich, es reicht", erzählt Stadler, der seinem Verfolger an der Ziellinie zu dessen Rennen gratulierte. "Normann ist ein harter Kämpfer", gab McCormack das Kompliment zurück: "Als ich hörte, dass mein Rückstand im zweiten Wechsel zehn Minuten beträgt, war ich sicher, dass ich gewinnen würde. Normann würde wie gewohnt knapp unter drei Stunden laufen, ich 2:45 - so hätte es ja gereicht. Aber Normann hat ein großartiges Rennen geliefert - mit Bestzeiten in allen Disziplinen. Nun muss ich es wohl im kommenden Jahr erneut versuchen." Keine Spur von Enttäuschung dagegen beim enthronten Titelverteidiger Faris Al-Sultan, der seinen dritten Platz mit etwas über sieben Minuten Rückstand zum Sieger "eine sehr wertvolle Erfahrung" nannte. "Gewinnen ist das Eine, sich an der Spitze zu behaupten, das Andere. Heute habe ich mir selbst bewiesen, dass ich auch nach mäßigen Leistungen im Wasser und auf dem Rad noch auf's Podium kommen kann."

"Ironwoman" Badmann entthront
Mit Ausnahme von Ronnie Schildknecht konnten die Schweizer/-innen die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Schildknecht beendente den Ironman auf dem sehr guten 15. Schlussrang. Während Karin Thürig und Stefan Riesen das Rennen auf der Laufstrecke beenden mussten, landete Natascha Badmann auf dem für sie enttäuschenden zehnten Rang. Dabei hatte es zumindest nach der Radstrecke für die Frauen noch gut ausgesehen. Karin Thürig lag dank der schnellsten Radzeit (4:52.10) auf dem vierten Zwischenrang, nur zwei Ränge dahiner hatte sich Natascha Badmann nach einem missglückten Schwimmauftakt (1:06.43) auf den sechsten Rang nach vorne gearbeitet. Sie absolvierte die Radstrecke ebenfalls unter fünf Stunden. Die Titelverteidigerin und Kronfavoritin startete schnell, vielleicht zu schnell auf die abschliessende Marathonstrecke. Nach zehn Kilometern lag sie bereits an dritter Stelle, nur noch sechs Minuten hinter der Führenden Jones. Danach konnte die 40-jährige jedoch nicht mehr zusetzen und verlor wieder Position um Position. Bis ins Ziel handelte sie sich einen Rückstand von über 20 Minuten ein, dennoch hatte sie beim Ueberqueren der Ziellinie ihr berühmtes Lachen auf dem Gesicht und liess sich von den Fans feiern.
Beinahe für einen Start-Ziel-Sieg sorgte die Australierin Michellie Jones. Um die Podiumsplätze wurde es  zur Halbzeit des Rennens allmählich spannend: Nachdem zunächst die Australierin Belinda Granger ihrer Landsfrau im Verlauf der Radstrecke immer mehr auf die Pelle gerückt war, meldete sich nach zehn Kilometern wie bereits erwähnt Badmann zurück. Als nächstes sorgte Lisa Bentley aus Kanada für Aufregung, weil sie mit ihrem Kräfte raubenden Laufstil erst Badmann überholte und dann gleich auch noch Anstalten machte, Jones zu stellen. Dann jedoch kam Desiree Ficker, die im Schlepptau ihre Landsfrau Gina Kehr mitbrachte. Es war tatsächlich dieser Kampf um die beiden noch freien Podestplätze, der die Schlussphase des Damenrennens prägte. Denn der Sieg von Jones war nicht mehr in Gefahr.  Bei ihrem zweiten Start in Kona bewies die in Kalifornien lebende und von der achtfachen Hawaiisiegerin Paula Newby-Fraser trainierte Jones, dass sie nach ihrem zweiten Platz vom Vorjahr taktisch dazugelernt hatte. "Als ehemalige Kurzstreckenspezialistin musste ich mich taktisch aber völlig umstellen; ich musste meine Schnelligkeit opfern, damit ich den Marathon gleichmäßig bis zum Ende laufen kann. Aber das Opfer hat sich gelohnt - ich bin seit heute Ironman-Weltmeisterin. Und das ist ein verdammt cooles Gefühl!" (Raphael Hadorn / dtu-info.de)

Ironman Hawaii (3,8km Schwimmen - 180km Radfahren - 42,2 km Laufen)
Männer
1. Normann Stadler (GER) (54:05-2:06-4:18:23-2:20-2:55:02) 8:11:56
2. Chris McCormack (AUS) (53:51-1:51-4:29:23-2:01-2:46:02) 8:13:07
3. Faris Al-Sultan (GER) (53:26-2:03-4:29:37-3:04-2:50:44) 8:19:04
4. Rutger Beke (BEL) (54:35-2:13-4:33:32-2:48:15) 8:21:04
5. Eneko Llanos (ESP) (53:45-2:01-4:29:25-2:17-2:55:00) 8:22:28
6. Marino Vanhoenacker (BEL) (54:04-1:55-4:29:13-2:06-2:56:59) 8:24:17
7. Luke Bell (USA) (53:57-1:44-4:29:33-2:17-2:56:55) 8:24:26
8. Cameron Brown (NZL) (53:55-1:51-4:29:26-2:05-2:58:05) 8:25:22
9. Chris Lieto (USA) (53:48-2:12-4:25:35-3:16-3:02:46) 8:27:37
10. Patrick Vernay (NCL) (54:36-1:59-4:36:12-2:39-2:52:47) 8:28:13
15. Schildknecht, Ronnie (SUI) (59:58-04:35:27-2:54:47) 8:34:35 
35. Mathias Hecht (SUI) (53:58-4:47:49-3:07:45) 8:54:16.
40. Serge Meyer (SUI) (1:06:58-3:06-4:37:58-2:46-3:06)  8:57:10.  (1. M30-34)
60. Christoph Mauch (SUI) (54:35-4:47:44-3:31:13) 9:08:34
Aufgegeben: u.a. Stefan Riesen (SUI)


Frauen
1. Michellie Jones (AUS) (54:29-1:58-5:06:09-2:47-3:13:08) 9:18:31
2. Desiree Ficker (USA) (1:01:46-2:08-5:05:06-3:13-3:11:49) 9:24:02
3. Lisa Bentley (CAN) (1:01:31-1:53-5:10:31-2:30-3:08:53) 9:25:18
4. Gina Kehr (USA) (54:02-2:10-5:16:10-2:33-3:12:29) 9:27:24
5. Katherine Allen (AUT) (59:48-2:19-5:10:34-2:51-3:14:50) 9:30:22
6. Kate Major (AUS) (1:01:34-2:17-5:08:23-1:54-3:17:45) 9:31:53
7. Joana Lawn (NZL) (59:48-2:03-5:10:19-2:22-3:18:16) 9:32:48
8. Belinda Granger (AUS) (59:44-2:12-5:01:45-6:17-3:25:50) 9:35:48
9. Melissa Ashton (AUS) (59:46-2:05-5:10:42-3:13-3:22:36) 9:38:22
10. Natascha Badmann (SUI) (1:06:43-2:26-4:59:04-2:46-3:27:53) 9:38:52
20. Sibylle Matter (SUI) (1:00:00-05:20:33-03:27:57) 9:54:16
22. Caroline Steffen (SUI) (1:00:13-5:15:40-3:37:07) 9:59:22.
42. Karin Hansen (SUI) (1:4:43-5:37:12-3:27:20) 10:15:00.
43. Marianne Ruetschi (SUI) (1:02:26-5:29:32-3:38:47) 10:16:37
54. Ladislava Cisarovska (CZE/SUI) (1:13:27-5:30:23-3:31:50) 10:22:21

Aufgegeben: u.a. Karin Thürig (SUI) (1:11:27-4:52:10)

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