Iroman Hawaii

12.10.2008 von Reinhard Standke

Ronnie Schildknecht (4.) und Mathias Hecht (8.) überzeugen in den Top 10. Natascha Badmann gibt mit Schmerzen in der Schulter auf.

Die Schweizer Männer waren an der diesjährigen Ironman WM so gut wie schon lange nicht mehr. Ronnie Schildknecht knüpfte mit Rang vier an die erfolgreichen Zeiten von Christoph Mauch an, der 1998 und 1999 ebenfalls diesen Rang erreichte. Schildknecht hatte den Marathon an 14. Stelle begonnen und lag nach 14 Kilometern bereits auf Rang 10. Den Kilometern 21 passierte der Doppel-Sieger des Ironman Switzerland/Ironman 70.3 Rapperswil-Jona bereits als Siebter, bei Kilometer 35 hatte Schildknecht noch Cameron Brown und Timo Bracht überholt. Als zweitbester Schweizer wurde Mathias Hecht Achter, er war durch die spät erfolgte Disqualifikation von Timo Bracht (De, Zeitstrafe nicht abgesessen) einen Rang nach vorne gerückt. Stefan Riesen gab im Laufen nach Magenproblemen auf. Bei den Schweizerinnen wechselte Sibylle Matter rund 16 Minuten vor der sechsfachen Siegerin Natascha Badmann auf den Marathon. Badmann musste auf dem zweiten Laufsegment mit Schulterschmerzen aufgeben, Matter lag nach rund 9 Kilometern auf Rang 10 und wurde schliesslich 13.

Alexander und Wellington Ironman-Weltmeister
An der Spitze vermochte sich der Vorjahreszweite Craig Alexander unwiderstehlich nach vorne zu Laufen und trat die Nachfolge von Landsmann Chris McCormack an, der beim Radfahren mit einem gebrochenen Schalthebel aufgab. Bei den Frauen konnte die Britin Chrissie Wellington ihren Vorjahrestitel klar verteidigen und gewann mit 15 Minuten Vorsprung auf die Holländerin Yvonne van Vlerken.

Schildknecht überrascht sich selber
"Ich hätte nie gedacht, dass ich Vierter werden kann, es ist das grösste Resultat meiner Karriere", freute sich Schildknecht. "Ich konnte entspannter Schwimmen als sonst und somit Energie konservieren. Dennoch ging das Radfahren gar nicht mal so gut", berichtete der Thalwiler. "Bis Hawi fuhr ich konservativ in einer guten Gruppe, dann fiel bei dem sehr starken Seitenwind die Gruppe auseinander. Nach 120 km fiel ich sogar in ein Loch, konnte mich nach 150 km wieder fangen und dann gut fahren". Den Marathon lief der 29-jährige Schildknecht wie selten am Limit. "Ich konnte einen nach dem anderen überholen, als ich an die 10. und dann 9. Stelle kam, war ich überrascht und als ich Vierter war, musste ich erstmal schlucken", erinnert sich Schildknecht an den Marathon, den er in 2:48:19 lief. "Rutger Beke konnte ich allerdings nicht mehr holen. Beim Energy Lab war ich einmal an ihm dran, dann zog er auf 200 m davon, diese Lücke vermochte ich dann nicht mehr zu schliessen", so ein völlig zufriedener Schildknecht.

Hecht lässt viele Top-Cracks stehen
Es sei alles nach Plan gelaufen, meldete der Willisauer Mathias Hecht nachdem Erreichen des achten Ranges. "Ich konnte vorne mitschwimmen", sagte Hecht, der nach Andy Potts, Benjamin Sanson, Pete Jacobs, Bryan Rhodes, Luc van Lierde, Luke McKenzie Renée Göhler, Eneko Llanos und Stephen Bayliss als 10. aus dem Wasser kam. "Mit dem Ras fuhr ich konservativ", erläuterte der 27 Jahre alte Hecht. "Auf den ersten 80 bis 90 km gibt es immer eine grosse Gruppe. Da ein Übervorgang nach 25 sec abgeschlossen sein muss, ist das immer ein riesen Stress. Nach der Strafe im Vorjahr hielt ich zudem lieber 15 als 10 m Abstand", gestand Hecht. "Später wurde die Gruppe kleiner, Top Leute wie Chris Lieto (zweiter in Hawi) und Cameron Brown fielen zurück. Im Marathon litt Mathias Hecht noch unter Muskelproblemen, nach vier Kilometern lief Ronnie Schildknecht an ihm vorbei. Hecht hatte jedoch auf den zweiten Teil der 42.2 km hin trainiert und konnte dort u.a. Torbjörn Sindballe und den Teamkollegen Norman Stadler, die in der Anfangsphase vom Marathon an der Spitze lagen, überholen. "Man muss Geduld haben, das Tempo einteilen. Es ist genial, dass es aufgegangen ist, es war eine Mega-Saison für mich", freut sich Mathias Hecht.

Badmann trotz schwindenden Kräften stolz
"Ich bin mega stolz und glücklich, dass ich in Hawaii starten konnte, am Ironman Switzerland musste ich noch sagen, es ist ein Traum", zog Natascha Badmann ein positives Fazit ihrer Teilnahme nach den schwerwiegenden Folgen des Sturzes im 2007. "Die ersten 1,5 Kilometern konnte ich gut Schwimmen, danach machte sich der fehlende Trainingsumfang bemerkbar, ich fühlte mich leer, hatte wenig Kraft und konnte das Tempo nicht mehr aufrechterhalten", sage die 41-Jährige. Mit dem Rad musste Badmann nach der Schlaufe durch Kona bald am Ort des Unfalls im Vorjahr vorbeifahren. "Ich hatte mir vorgenommen, die Energie, die ich vor 12 Monaten nicht brauchen konnte, jetzt einzusetzen und konnte dann vier Minuten auf die Spitze gutmachen". Bis zur 100 km-Marke war die sechsfache Siegerin der Ironman WM gut unterwegs, dann fehlte ihr aber doch die Kraft um die Aeroposition zu halten, sie musste sich aufrichten. "Der Rückweg ist dann lang geworden", schilderte Badmann, die nach den 180 km den Marathon laufen wollte. "Rund 10 Kilometer konnte ich das Tempo mit einer ein guten Körperspannung halten, danach schwanden die Kräfte". Badmann musste zudem die überhitzte Muskulatur der Schultern an den Aid-Stations kühlen und gab nach 16 Kilometern Laufen den Wettkampf auf.

Matter hofft auf Double
Sehr zufrieden zeigte sich Sibylle Matter nach ihrer vierten Teilnahme in Hawaii. "Ich bin gut geschwommen", sagte die 35-Jährige, die als Achte aus dem Meer kam. Nach einer guten ersten Hälfte mit dem Rad fiel der Rückweg Matter schwer, der heftige Seitenwind machte das Fahren schwierig, Krämpfe in den Beinen machten sich bemerkbar. So lief es auch zu Beginn des Marathons eher schlecht, Matter benötigte rund 20 km um sich zu fangen. "Danach ist es gut gelaufen. Das Erreichen der Top 15 war das Ziel", stellte Matter fest, die in zwei Woche die XTerra-WM auf Maui bestreitet und das "Double" für sich entscheiden will.

Riesen wieder in Büschen
Nicht ganz so schnell wie erhofft war Stefan Riesen auf Big Island unterwegs, die Rückstände auf die vorderen Plätze waren allerdings nicht sehr gross. Der 35-Jährige Berner begann den Marathon mit guten Beinen, nach 500 m Laufen begannen Probleme wie Erbrechen, Durchfall und Magenkrämpfen. "Es war wie vor zwei Jahren, ich vertrage offenbar die Hitze nicht gut", bedauerte Riesen, der innerhalb von 20 Minuten viermal in den Büschen verschwinden musste und dann aufgab.

Schweizer Age Group Erfolge
Mit Patrick Wallimann (M35-39) und Hilly Brönnimann (W55-59) konnten zwei erneut starke Schweizer ihre Age Group gewinnen. Auch Gabriela Furter (W25-29) und Helge Babel (M50-54) kamen als Dritte auf das Podest. (Reinhard Standke)

Kailua Kona, Hawaii/Usa.
Ironman-WM .
3,8 km Schwimmen/180 km Radfahren/42,195 km Laufen.
Männer:
1. Craig Alexander (Aus) 8:17:45.
2. Eneko Llanos (Spa) 8:20:50.
3. Rutger Beke (Be) 8:21:23.
4. Ronnie Schildknecht (Sz) 8:21:46.
5. Cameron Brwon (Neus) 8:26:17.
6. Patrick Verney (Neukaled.) 8:30:23.
7. Andy Potts (Usa) 8:33:50. 
8. Mathias Hecht (Sz) 8:34:02.
 
Aufgegeben (u.a.): Stefan Riesen (Sz) im Laufen, Chris McCormack (Aus/Titelverteidiger) mit defektem Schalthebel, Thomas Hellriegel (De), Luc van Lierde (Be), Luke Bell (Aus), Stephan Vuckovic (De),

Frauen:
1. Chrissie Wellington (Aus) 9:06:23.
2. Yvonne van Vlerken (Ho) 9:21:20.
3. Sandra Wallenhorst (De) 9:22:52.
4. Erika Csomor (Ung/ 9:24:49.
5. Linsey Corbin (Usa) 9:28:51.
6. Virginia Berasategui (Spa) 9:29:15.
7. Bella Comerford (Gbr) 9:29:15.
8. Gina Ferguson (Neus) 9:36:53.
13. Sibylle Matter (Sz) 9:44:54.
Aufgegeben (u.a.): Natascha Badmann im Laufen, Leanda CAve (Aus), Nina Kraft (De), Rebecca Preston (Aus), Nicole Leder (De).

Age groups (prov. Ergebnisse):
M25-29.
6. Patrick Jaberg (Steffisburg) 9:20:37.
9. Pablo Ureta (Motier) 9:26:45.

M35-39:
1. Patrick Wallimann (Alpnach-Dorf) 9:01:16.
6. Mike Schifferle (Ballwil) 9:21:13.
9. Bruno Invernizzi (Quartino) 9:26:14.

M50-54:
3. Helge Babel (Fischenthal) 9:54:00.

M60-64:
4. Hermann Hefti (Schönenberg) 11:14:01.

W25-29:
3. Gabriela Furter (Lenzburg) 10:34:46.

W30-34:
8. Andrea Burri-Noack (Ipsach) 10:27:44.

W55-59:
1. Hilly Brönnimann (Hindlebank) 11:52:10.

 

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